Baan Non Cheuk - Reisfelder und Schweine waren die Stelzen, auf denen
Frau Mali Nonthing ihr Leben in einem Dorf der nordöstlichen Provinz
Khon Kaen aufbaute. Diese beiden landwirtschaftlichen Einnahmequellen
nutzte sie Jahrzehntelang. Jetzt bleibt nur noch eine Insekten Farm
hinter ihrem im Thai-Stil gebauten Haus.
Die 52-Jährige züchtet Grillen, wo vor etwa zwei Jahren Schweine
aufgewachsen sind, bevor sie sich den Insekten widmete. Unter einem
weitläufigen gewellten Schuppen, durch Holz und Zement gehalten,
bewirtschaftet sie zwei Arten des Insekts. „Grillen sind besser als
Schweine“, gestand Frau Mali. Verkaufen kann sie die Grillen jeden
Monat, im Gegensatz zu Schweinen, die nur alle fünf bis sechs Monate
verkauft werden konnten. Und selbst dann war sie sich nie sicher, einen
Gewinn zu erwirtschaften, sagte sie.
Ähnlich erging es einer Farmerfamilie in Maha Sarakham, einer Provinz
südlich von Khon Kaen. Dort haben Frau Duangjai Ploykanha und ihr Mann
über Jahre hinweg Rinder aufgezogen. Unter zwei großen Ställen, wo einst
Bullen und Kühe angebunden waren, werden jetzt Grillen gezüchtet.
„Sie sind leichter zu pflegen und die Qualität kann kontrolliert
werden“, bemerkte Frau Duangjai als sie durch den Stall lief und die
Insekten mit Hühnerfutter fütterte. In der Tat bietet das Dorf, in dem
Frau Duangjai lebt, einen Einblick in das Tempo, in dem das sechsbeinige
Nutztier seinen Weg in die Landwirtschaft machte, wo einst Rinder und
Schweine dominierten, wie es die Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beschrieb.
Über 200 der 600 Familien, die dort leben, bewirtschaften jetzt
Insekten-Farmen. Einige von ihnen sind Vollzeit- und andere
Teilzeit-Beschäftigte, wie lokale Regierungsbeamte, Lehrer und
Ladenbesitzer. Sie gehören zu den 20.000 eingetragenen Grillen-Farmen
mit mehr als 220.000 Aufzuchtstellen im Isaan. Diese Entwicklung begann
Mitte der 1990er Jahre mit der Einführung von neuen Fähigkeiten und
Technologien, um Insekten im kommerziellen Maßstab zu züchten. Bis dahin
hatte man die Gewohnheit, die Grillen, die als Teil der ländlichen
Nahrung genossen wurden, in Bäumen und Sträuchern zu suchen.
Die jährliche Produktionskapazität des sechsbeinigen Insekts hat in den
letzten Jahren 7.500 Tonnen erreicht. Das Jahreseinkommen durch essbare
Insekten im Handel kommt auf fast 22 Millionen Euro.
Gegrillte und geröstete Insekten werden auf einem Markt in Chiang Mai verkauft
Während Grillen am meisten gezüchtet und gehandelt werden, fallen
andere Insekten dieser alternativen Nutztierhaltung immer mehr ins
Gewicht. Dazu gehören riesige Wasser-Wanzen, Heuschrecken,
Bambus-Raupen, Weberameisen, Larven des Palmrüsselkäfers und
Seidenwurmpuppen. Sie schaffen eine Menge von Arbeitsplätzen und haben
sich zu einer wachsenden Multi-Millionen-Euro-Industrie entwickelt,
sagte Patrick Durst, ein regionaler Forstwirtschafts-Beamter bei der
FAO.
Die landwirtschaftliche Züchtung von Insekten beschränkt sich nicht nur
auf Thailand. Die wachsende Nachfrage im Land hat auch Einfluss auf den
lukrativen Import-Markt und den grenzüberschreitenden Handel. Fast 270
Tonnen Seidenwurmpuppen werden jährlich aus China importiert und 800
Tonnen anderer essbarer Insekten werden über die Grenzen von Kambodscha,
Burma und Laos transportiert. Der wirtschaftliche Wert von importierten
Insekten wird pro Jahr auf rund 40 Millionen Baht (ca. 1 Mio. Euro)
geschätzt.
Heuschrecken aus Kambodscha sind ein gutes Beispiel. Gefüllte Beutel
hängen an einer niedrigen Holzbank auf einem Markt in Kalasin, eine
Provinz östlich von Khon Kaen. Frau Kaew Aramsri verkauft diese
Heuschrecken einschließlich Seidenwurmpuppen und Weberameisen. Die
Insekten werden dreimal pro Woche von der thailändisch-kambodschanischen
Grenze in einem Kühlwagen transportiert. Ihre Kunden sind größtenteils
Besitzer von Straßen-Imbissständen. Die Heuschrecken kosten 250 Baht je
Kilo.
Diese Nahrungskette hat sich nun über seine traditionellen Orte im
Norden und Nordosten ausgebreitet. Die Beliebtheit hat zugenommen und
wird landesweit ausgebaut. Eine Supermarktkette bietet bereits
Erzeugnisse in Regalen der Tiefkühlkost an. In einigen Läden Bangkoks
findet man gefrorene Pakete mit Bambus-Würmern und Heuschrecken oder
Fertiggerichte aus Bambus-Raupen für die Mikrowelle.